
Mit der Vorstellung des Nuvolari bringt Audi seinen ersten Supersportwagen mit einem High-Performance-Hybridantrieb auf den Markt. Das auf 499 Exemplare limitierte Fahrzeug dient als technologischer Technologieträger für zukünftige Serienmodelle. Die technischen Spezifikationen zeigen eine konsequente Übertragung von Entwicklungen aus dem Formel-1-Motorsport in die Straßenserie.

Hybrid-Antriebsstrang mit vier Motoren und 1.001 PS
Das Herzstück des Supersportwagens ist ein hybridisierter Hochleistungsantrieb mit einer Systemleistung von 736 kW (1.001 PS). Das System setzt sich aus vier separaten Antriebsquellen zusammen:
- Der Verbrennungsmotor: Ein 4,0-Liter-V8-Biturbomotor leistet 588 kW (800 PS). Das Aggregat stellt ein maximales Drehmoment von 730 Nm bereit und erreicht Drehzahlen von bis zu 10.000 U/min – ein Drehzahlbereich, der üblicherweise reinem Rennsportmotoren vorbehalten ist.
- Die Elektromotoren: Drei Axialfluss-Elektromotoren mit jeweils 110 kW unterstützen den Verbrenner. Zwei ölgekühlte Einheiten sitzen an der Vorderachse und liefern ein Drehmoment von bis zu 2.150 Nm. Der dritte Elektromotor ist als Bindeglied zwischen dem V8-Mittelmotor und dem Getriebe integriert.
- Der Energiespeicher: Eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Bruttokapazität von 7,3 kWh versorgt die Elektromotoren mit Energie.
Dieses Zusammenspiel ermöglicht Fahrleistungen auf Rennsport-Niveau: Der Nuvolari beschleunigt in 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht die 200-km/h-Marke in 6,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 350 km/h.
Prädiktive Fahrdynamik: Das Allradsystem „quattro predictive ride“
Die klassische Allradtechnologie der Marke wird im Nuvolari auf eine neue Stufe gehoben. Das System quattro predictive ride arbeitet mit einem hochpräzisen Fahrzeugzustandsmodell, das permanent Sensordaten analysiert. Überwacht werden unter anderem:
- Längs- und Querbeschleunigung
- Der aktuelle Lenkwinkel
- Die Gierrate (Drehbewegung um die Hochachse)
- Das mikro-feine Grip-Niveau der Reifen
Das System agiert prädiktiv, also vorausschauend. Bevor in einer Kurve messbarer Schlupf entsteht, verteilt die Elektronik die Drehmomente gezielt zwischen den Achsen und den einzelnen Rädern. Die beiden Axialflussmotoren an der Vorderachse ermöglichen dabei ein vollvariables, elektrisches Torque Vectoring. Fahrer können die Charakteristik über einen Drehsteller am Lenkrad in vier Stufen anpassen (E-Hybrid, Balanced, Dynamic, Dynamic+). Für den Rundstreckeneinsatz steht zudem ein Track Mode zur Verfügung, der die Traktionskontrolle stufenweise bis hin zur kompletten Deaktivierung (TC Off) regeln lässt.

Karosseriebau: Audi Space Frame trifft Carbon-Monocoque
Beim Chassis bricht der Hersteller mit bisherigen Traditionen und kombiniert die bekannte Audi Space Frame-Bauweise erstmals mit einer vollständigen Außenhaut aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFRP). Das primäre Ziel ist maximale Torsionssteifigkeit bei extremem Leichtbau.

Die Fertigung der Carbon-Komponenten basiert auf Formel-1-Prozessen. Genutzt wird die sogenannte Prepreg-Autoklav-Technologie. Hierbei werden vorimprägnierte Kohlenstofffasern in aufwendiger Handarbeit laminiert und anschließend unter hohem Druck und definierten Temperaturen im Ofen ausgehärtet. Diese Methode erlaubt hochkomplexe geometrische Formen. So wurden beispielsweise vertikale Rahmenelemente so konstruiert, dass sie den Luftstrom unsichtbar durch ein integriertes S-Duct-System leiten, um den Anpressdruck zu maximieren. Ergänzt wird der Leichtbau durch geschmiedete Räder mit Zentralverschluss (Center Lock).

Aktive Aerodynamik und Kühlung
Die aerodynamische Balance des Fahrzeugs wird permanent und situativ geregelt. Jede Komponente, vom vorderen Splitter bis zum Heckdiffusor, ist funktional auf Luftwiderstand und Abtrieb optimiert. In die finale Feinabstimmung während der Erprobungsphase floss direktes Feedback der Formel-1-Werksfahrer der Marke ein, um ein lineares und berechenbares Fahrverhalten im aerodynamischen Grenzbereich sicherzustellen.
















