
Das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans bot auch in diesem Jahr alles, was den Langstrecken-Klassiker ausmacht: Extrem enge Positionskämpfe, technische Dramen in der Nacht und einen historischen Podiumserfolg. Für die deutschen Hersteller und ihre Kundenteams verlief das härteste Rennen des Jahres mit einer Achterbahn der Gefühle. Während BMW ein historisches Podest feierte, erlebten die Teams von Manthey-Porsche und Iron Lynx-Mercedes ein Wochenende voller Hindernisse.
BMW M Team WRT: Historisches Gesamtpodium nach packendem Finale
Aller guten Dinge sind drei: Bei ihrer dritten Teilnahme an der Sarthe erreichte die Mannschaft des BMW M Teams WRT den lang ersehnten Meilenstein. In einem packenden Langstrecken-Krimi fuhren Robin Frijns (Niederlande), René Rast (Deutschland) und Sheldon van der Linde (Südafrika) im BMW M Hybrid V8 mit der Startnummer 20 auf einen hervorragenden zweiten Platz.
Für BMW M Motorsport markiert dieses Ergebnis das erste Gesamtpodium in Le Mans seit dem geschichtsträchtigen Gesamtsieg des BMW V12 LMR im Jahr 1999. Ein erneuter Triumph lag bis zur letzten Minute in der Luft – am Ende trennten Schlussfahrer Frijns lediglich 10,9 Sekunden vom siegreichen Toyota.

Das Rennwochenende hatte für die Münchner Marke bereits am Donnerstag optimal begonnen. Im Qualifying sicherte das Schwesterauto mit der Startnummer 15 – pilotiert von Kevin Magnussen (Dänemark), Raffaele Marciello (Schweiz) und Dries Vanthoor (Belgien) – die viel umjubelte Poleposition. Im Hauptrennen übernahm dann die von Platz vier gestartete Crew der Nummer 20 früh die Initiative und sammelte Führungskilometer.
Eine Safety-Car-Phase rund sechs Stunden vor dem Ende schob das Spitzenfeld wieder extrem eng zusammen und leitete ein packendes Finale ein. Während die Nummer 20 das Rennen auf dem Podium beendete, verlief das Rennen für das Pole-Auto enttäuschend: Nach einer unverschuldeten Kollision und einem anschließenden Reifenschaden zwang ein technischer Defekt die Crew der Startnummer 15 zur vorzeitigen Aufgabe.
Manthey Racing: Schadensbegrenzung nach frühem Pech und spätem Defekt
Als Spitzenreiter der FIA Endurance Trophy für LMGT3-Teams reisten Yasser Shahin (Australien), Riccardo Pera (Italien) und Richard Lietz (Österreich) mit großen Ambitionen nach Frankreich. Doch die Hoffnungen von Lietz auf seinen siebten Klassensieg erhielten früh einen Dämpfer. Bereits in der zweiten Rennstunde steuerte Shahin die Boxengasse mit einer gebrochenen Spurstange an. Die Reparatur des Porsche 911 GT3 R von „The Bend Manthey“ kostete drei Runden. Mit einer fehlerfreien Aufholjagd kämpften sich die Fahrer noch vom 25. Platz bis auf Rang 13 vor, was in der Trophy-Wertung Platz neun und vier Meisterschaftszähler bedeutete.

Das Schwesterauto von Manthey DK Engineering zeigte im ersten Renndrittel eine starke Performance. Zeitweise übernahm der türkische Werksfahrer Ayhancan Güven zusammen mit James Cottingham (Großbritannien) und Timur Boguslavskiy die Führung in der LMGT3-Klasse. Ein Reifenschaden kurz vor Mitternacht zwang das Team jedoch zu einem ungeplanten Stopp. Da zu diesem Zeitpunkt das Safety-Car auf der Strecke war, nutzte die Crew die Gelegenheit für einen präventiven Bremsenwechsel, was die Startnummer 91 ins hintere Mittelfeld zurückwarf. Nach einem weiteren Frontschaden um 3:00 Uhr morgens startete das Trio eine beeindruckende Aufholjagd und schnupperte bereits wieder an den Podiumsplätzen. Gegen 10:00 Uhr am Sonntag folgte jedoch das bittere Aus: Ein technischer Defekt führte dazu, dass der amtierende DTM-Champion Güven am Ausgang der ersten Hunaudières-Schikane in die Streckenbegrenzung einschlag und unverletzt ausschied.
Iron Lynx: Rückschläge bremsen die Mercedes-AMG-Flotte aus
Auch für das Kundenteam Iron Lynx, das zum zweiten Mal in Folge die Farben von Mercedes-AMG Motorsport in der LMGT3-Klasse vertrat, war das Rennen von erheblichem Pech geprägt. Bereit in der ersten Rennstunde beschädigte ein Dreher die Fahrzeugfront des Mercedes-AMG LMGT3 mit der Startnummer 61 (Rui Pinto de Andrade, Martin Berry und Maxime Martin). Trotz einer schnellen Reparatur verlor das Trio den Anschluss an die Spitzengruppe und musste das Auto nach mehreren ungeplanten Werkstattaufenthalten in der 65. Runde endgültig abstellen.

Das Schwesterauto mit der Startnummer 79 (Matteo Cressoni, Lin Hodenius und Johannes Zelger) erlebte ebenfalls kein glückliches Rennende. Mercedes-AMG Junior-Fahrer Lin Hodenius überfuhr in der Nacht die Curbs so unglücklich, dass der Motor beschädigt wurde. Die daraus resultierende Ölleckage zwang das Team zur vorzeitigen Aufgabe auf der Strecke.
Enttäuschung in der LMGT3-Klasse für BMW
In der LMGT3-Kategorie blieben die großen Erfolge für BMW diesmal ebenfalls aus. Nach vielversprechenden Startplätzen auf den Rängen fünf und sechs im Qualifying konnten die beiden neuen BMW M4 GT3 EVO das Tempo der Klassenspitze über die Distanne von 24 Stunden nicht ganz mitgehen. Augusto Farfus (Brasilien), Sean Gelael (Indonesien) und Darren Leung (Großbritannien) überquerten die Ziellinie schließlich auf dem siebten Platz. Noch weniger Rennglück hatten ihre Teamkollegen Dan Harper (Großbritannien), Parker Thompson (Kanada) und Anthony McIntosh (USA), die den Rennwagen wegen eines Getriebeschadens vorzeitig abstellen mussten.
Fazit: Le Mans zeigt erneut sein gnadenloses Gesicht
Das diesjährige 24-Stunden-Rennen von Le Mans hat einmal mehr bewiesen, warum es als das härteste Langstreckenrennen der Welt gilt. Erfolg und Enttäuschung liegen an der Sarthe oft nur Millimeter oder wenige Sekunden auseinander.
Für das BMW M Team WRT ist der zweite Gesamtrang ein historischer Triumph und die lang ersehnte Bestätigung, dass man nach 25 Jahren wieder ganz oben in der Prototypen-Weltspitze angekommen ist – auch wenn der hauchdünne Rückstand von knapp elf Sekunden auf den Sieg einen kleinen, bittersüßen Beigeschmack hinterlässt.
In den GT3-Klassen zeigte sich dagegen die unbarmherzige Seite des Motorsports. Sowohl Manthey-Porsche als auch Iron Lynx-Mercedes bewiesen phasenweise die nötige Performance für Spitzenplätze, wurden jedoch durch technische Defekte, unverschuldete Zwischenfälle und die tückischen Curbs der Rennstrecke um den Lohn ihrer Arbeit gebracht. Wie Nicolas Raeder von Manthey Racing treffend zusammenfasste: Es sind genau diese harten, charakterbildenden Rückschläge, die ein Team analysieren muss, um in Zukunft noch stärker zurückzukehren.
















